U18 - Ein Wochenende in Prag

Die Skorpione nahmen Mitte Februar am Paržký Míček Turnier teil. Ein Bericht über drei Niederlagen und vieles mehr.

Im Januar 2024 nahm die U18 des SHC Belpa 1107 in Dobřany an einem U17 Turnier in Tschechien teil. Schon damals war allen Beteiligten klar, dass dies nicht die letzte Reise des Teams nach Tschechien gewesen war. Jedes Jahr an einem Turnier im Ausland teilzunehmen, das stand ausser Frage, schliesslich sollten ja auch die anderen Teams der Skorpione die Möglichkeit zu Kräftemessen ausserhalb der Schweiz zu haben. Also wurde von Anfang an eine Turnierteilnahme Anfang 2026 ins Auge gefasst. Im Sommer 2025 erfuhr die Mannschaftleitung, dass der Prager Regionalverband jeweils im Februar ein Juniorenturnier durchführt. Die Vertreter aus der tschechischen Hauptstadt hatten Interesse an einem schweizer Team, die Skorpione Interesse an einer Turnierteilnahme in Prag, so weit, so gut. Die ganze Sache hatte einen, wie sich später herausstellen sollte zwei kleine Haken. Der erste war offensichtlich. In Tschechien gibt es zwei gedeckte Streethockeyanlagen, in Dobřany und in Plzeň. In Prag würde man also draussen spielen, was im Februar ein gewisses Risiko mit sich bringen würde. Letzten Endes war es dann auch so, dass ein für den Sonntag geplantes Freundschaftsspiel der Tatsache zum Opfer fiel, dass der mögliche Austragungsort vereist war. Als zweiter Haken entpuppte sich die Tatsache, dass die Juniorenkategorien in Tschechien nicht dieselben sind, wie in der Schweiz. Wir haben U18, U15, U12 und U9. Die Tschechen haben U9, U11, U13, U15, U17 und – wie wir glaubten – U19. Als dann im Januar die ersten detaillierten Informationen flossen, stellten wir fest, dass wir der vermeidlichen U19 Kategorie zugeteilt worden waren. Nun, da wir doch einige U18 Spieler im Team hatten, konnten wir damit leben, zumal es ja nicht darum ging, dass Turnier zu gewinnen, sondern darum, Erfahrungen zu sammeln. Einige wenige Tage vor der Abreise stellte der Autor dann fest, dass es in Tschechien keine U19 Kategorie gibt, sondern nur eine U20. Nun, natürlich war es zu spät, noch auf einen Wechsel in die U17 Kategorie zu drängen.

Am frühen Freitagmorgen bei Nieselregen trafen sich die Skorpione auf dem Linden-Parkplatz. Von den U18 Stammspielern fehlten Jon Bucher, Zoe Greven und Len Reusser. Das Team wurde von sechs Spielern aus der U15 verstärkt: Joshua Jordi, Levi Steck, Lino Weiss, Marco Grossenbacher, Severin Reinmann und Tim Bosshard. Da die NLA am Sonntag das wichtige Cupviertelfinalspiel gegen die Horgenberg Hammers hatte, konnten weder Fabian Bohnenblust noch Dennis Nydegger die Mannschaft begleiten. Als Ersatz sprang dankenswerterweise kurzfristig Leon Schweingruber ein.

Pünktlich um 4 Uhr nahm der Bus der Firma Jürg Moser AG die rund 850 in Richtung tschechischer Hauptstadt unter die Räder. Schon nach wenigen Minuten waren die meisten Spieler eingeschlafen. Bei einem ersten Stopp in Kemptthal wurde der Fahrer gewechselt. Das war nötig, da die Reise nach Prag recht lang war und deshalb nicht sicher, ob die maximal erlaubte Lenkzeit des Fahrers eventuell überschritten würde. Nun, unser neuer Fahrer, René, war ein alter Bekannter, er hatte uns schon vor zwei Jahren sicher nach Dobřany gebracht.
Der Verkehr war uns günstig gesonnen. Nach Zwischenstopps bei Landsberg am Lech und an der deutsch-tschechischen Grenz bei Rozvadov waren wir kurz nach 15 Uhr in Prag. Dort gerieten wir erstmals in einen Stau und erreichten unser Hotel erst kurz nach 16 Uhr.

Das Hotel Olympik**** war natürlich keine Viersterne Hotel, aber das hatten wir auch nicht erwartet. Es war ein Hotel, das zur Zeit der kommunistischen Herrschaft erstellt worden war. Ein riesiges Hotel mit etwa 300 Zimmern. Diese Zimmer, obschon leicht renoviert, hatten noch den spröden Charme der damaligen Zeit: Roter Spannteppich und eine dünne
Holzverkleidung bis auf etwa 50 cm Höhe. Und die Zimmer waren total überheizt, wobei sich die Heizung nur quasi-mannuel regulieren liess, d. h. lediglich über das Öffnen der Fenster.

Eine Herausforderung war, dass das Hotel nur über vier recht langsame und recht kleine Fahrstühle verfügte. Da wir beinahe alle im 16. oder 17. Stock untergebracht waren, eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, wenn es darum ging, pünktlich in der Lobby zu sein, was aber eigentlich immer klappte. Erschwerend war, dass die Gäste aus der zweiten und dritten Etage selten die Treppen nutzen, sondern in der Regel den Fahrstuhl.

Am Freitag um 18 Uhr stand ein Training in Palmovka an. Diese Streethockeyanlage befindet sich etwa 800 Meter vom Hotel entfernt auf einem kleinen Hügel. Es ist einer der ältesten Anlangen in ganz Tschechien. Bereits die Europameisterschaften 1997 wurden dort ausgetragen. Der Platz hat natürlich seit damals einige Faceliftings erhalten. Die übrige Infrastruktur war aber noch weitgehend dieselbe. Damals hatte auch der tschechische Verband seinen Hauptsitz in Palmovka oben. Inzwischen ist der längst anderenorts in Prag untergebracht. Das Versammlungslokal, in dem Ende des letzten Jahrtausends einige wichtige internationale Sitzungen stattfanden, ist inzwischen zu mehreren Garderoben umgebaut worden. In einer dieser Garderoben wurden die Skorpione untergebracht. Ziel des Trainings war, dass sich die Spieler nach der langen Reise etwas bewegten und eine «Gefühl» für das Spielfeld entwickeln konnten.

Danach stand ein gemeinsames Nachtessen an. Dieses fand in einem von mehreren indischen Restaurants statt, die rund um die U-Bahn-Station Palmovka angesiedelt waren. Zu Beginn war der eine oder der andere skeptisch hinsichtlich der indischen Küche. Aber die Küchenbrigade des «Namaste» entfachte ein wahres kulinarische Feuerwerk und boten einen guten Einblick in die indische Küche. Gut gesättigt ging es zurück in Hotel.

Am Samstag stand das Turnier auf dem Programm. Unser erster Gegner waren die SK Kelti 2008 Beroun. Diese Mannschaft, die das Turnier gewinnen sollte, trat unter andrem mit sechs Spielern an, die regelmässig in der zweiten tschechischen Extraliga spielen. Wie erwartet waren die Skorpione mit der Geschwindigkeit der Kelten zu Beginn völlig überfordert. Auch der Körpereinsatz der Gegner war für viele Skorpione eine neue Erfahrung. So lag ein Verteidiger der Skorpione in seinem ersten Einsatz nach einem Zweikampf auf dem Rücken, ohne wirklich zu wissen, warum. Erfreulicherweise passten sich die Gürbetaler aber dem Tempo so gut wie möglich an. Auch in den Zweikämpfen verhielten sich die Berner zunehmend geschickter. Auch die U15 Spieler, die körperlich den deutlich älteren Gegnern klar unterlegen waren, wussten sich so einzusetzen, dass sie durchaus den einen oder anderen Zweikampf für sich entscheiden konnten. Ein grosser Unterschied war die Kraft, mit der die Tschechen den Stock zu Boden drückten. Die Schweizer hatten deshalb immer wieder Probleme damit, den Ball aus der gefährlichen Zone vor dem Tor wegzuspielen. Irgendwie war oft ein tschechischer Stock da, der sich einfach nicht zur Seite schieben oder wegheben liess. Die Belper kämpften tapfer, Luan Freiburghaus im Tor bestritt eine sehr gute Partie. Er wurde zum besten Belper Spieler der Partie ausgezeichnet. Aber letzten Endes verloren die Gürbetaler die Begegnung mit 1:18, wobei Mica Steck für den einzigen Treffer der Berner verantwortlich war. Nach dem Spiel stellte einer der Spieler die Frage, ob die NLA-Mannschaft gegen die Kelten gewonnen hätte. Schwierig zu sagen, aber sie hätte wohl in ihrer aktuellen Form ziemliche Probleme gehabt, das Team aus Beroun zu schlagen.

Der zweite Gegner war der HBC Hostivař. Diese Mannschaft ist der tschechische Vorzeigeclub schlecht hin. Vor gut zehn Jahren in Prag als reiner Juniorenverein gegründet,
gewann die erste Mannschaft des Vereins im letzten Frühjahr die tschechische Extraliga. Die Skorpione wussten nun, was sie erwartet. Entsprechend konzentriert gingen sie zu Sache. Sie reagierten schneller und verheilten sich in den Zweikämpfen besser. Luca Schmid zwischen den Pfosten spielte eine überragende Partie. Er wurde zum besten Belper Spielers der Partie ausgezeichnet. Am Ende verloren die Skorpione 1:7, einziger Torschütze für die Skorpione war Levy Greven. Die Leistungssteigerung gegenüber dem ersten Spiel war eindrücklich. Aber die Schwächen der Belper kamen auch in dieser Begegnung klar zum Vorschein. Selbst gegen die Tschechen versuchten sich die Skorpione in Dribblings, anstatt den Pass zu spielen und im Spielaufbau kamen die Stürmer zu wenig weit zurück, so dass die Auslösung oft eine ziemliche Herausforderung war.

Im dritten und letzten Spiel trafen die Gürbetaler auf den SK Rebel Praha, die wahrscheinlich am wenigsten starke tschechische Mannschaft des Turniers. Die Berner steigerten sich erneut. Nach der Spielhälfte lag das Team lediglich mit 0:2 zurück und hatte sich die eine oder andere gute Torchance erarbeitet. Der dritte Treffer der Prager fiel in der 21. Spielminute, wie schon der zweite in Überzahl. Es sah lange nach dem besten Resultat der Schweizer im ganzen Turnier aus. Doch dann liessen in den letzten fünf Spielminuten die Kräfte der Berner nach und die Rebels erzielten Tor um Tor und siegten schlussendlich verdient aber um einige Treffer zu hoch mit 8:0. Joey Kreienbühl wurde zum besten Belper Spieler der Partie ausgezeichnet. Er hatte drei sehr gute Spiele gezeigt und somit bewiesen, dass man nicht unbedingt gleich gross sein muss, wie die Gegenspieler, um Angriffe erfolgreich zu stoppen und um Gegenstösser auslösen zu können.

Das Turnier endete mit den drei erwarteten Niederlagen. Aber die Bilanz ist trotzdem positiv. Die Gürbetaler haben gezeigt, dass sie auch gegen körperlich überlegene Gegner vollen Einsatz geben und dass sie ein deutlich höheres Tempo gehen können als sie dies normalerweise in der U18 Meisterschaft tun. Klar, die Tschechen waren meist noch etwas schneller, aber in den Playoff, die in der zweiten Märzhälfte starten, werden die Skorpione nicht gegen tschechische U20 Mannschaften spielen, sondern gegen schweizer U18 Teams. Zu überzeugen wussten insbesondere auch die U15 Spieler, die sich von den grossgewachsenen Gegenspielern nicht beindrucken liessen. Eine weitere Erkenntnis war, das unsere beiden Torhüter sich vor den tschechischen Torhütern nicht verstecken musste. Luca Schmid wurde vom Veranstalter völlig verdient als bester Torhüter des Turniers ausgezeichnet. Ein besondere Danke geht an dieser stelle auch an die sechs Zuschauer, die aus der Schweiz nach Prag geflogen waren, um uns zu unterstützen.

Irgendeinmal zwischen Spiel 1 und Spiel 2 wurde dann klar, dass das Freundschaftsspiel, das für den Sonntagmorgen geplant war nicht würde stattfinden können. Bei den möglichen Spielfeldern bestand die Gefahr, dass sie aufgrund der kalten Temperaturen, die für die Nacht erwartet wurden vereisen könnten und in Palmovka fand am Sonntag noch ein weiteres Turnier statt. Das war schade, aber die die Spiele vom Samstag waren doch recht anstrengend gewesen, so dass sich die Enttäuschung im Rahmen hielt.

Am Samstagabend fuhren die Skorpione mit dem Tram ins Stadtzentrum. Beim kalten, windigen Wetter führte sie der Autor zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und versucht, sie mit seinen Kommentaren nicht zu sehr zu langweilen.
Danach ging es in ein typisches Prager Altstadtlokal, dem «U Vejvodu». Dieses ist riesig und zieht sich durch die Keller mehrerer Häuser. Dank der Hilfe des Prager Verbands war für die Skorpione ein kleiner Nebenraum reserviert. Nach einem indischen Abend stand nun ein typischer tschechischer Abend an, natürlich ohne Bier, denn für den Alkoholkonsum muss man in Tschechien mindesten 18 Jahre alt sein. Einziger kleiner Minuspunkt für das Restaurant war die lange Wartezeit auf das Essen. Die Speisekarte umfasst eine grosse Auswahl traditioneller tschechischer Gerichte und auch Hamburger. Nach dem indischen Abenteuer wollte sich eine Mehrheit der Spieler auf keine weiteren Experimente einlassen und entscheid sich für das global bekannte Stück Hackfleisch, das mit etwas Sosse und Salat zwischen zwei Brotscheiben geklemmt wird. Aber es wurden auch Schmorgerichte mit Knödel und eine Schweinshaxe auf tschechische Art bestellt.

Am Sonntagvormittag traten die Skorpione nach einem späten Frühstück die Rückreise in die Schweiz an. An der tschechisch-deutschen Grenze bei Rozvadov konnten im McDonalds letzte Kronen ausgegeben werden. Danach ging es mit einem kleinen Zwischenstopp nördlich von München weiter in die Schweiz. Eine letzte Pause war im Kemptthal nötig, da René aufgrund der gesetzlichen Vorschriften alle 4,5 Stunden mindesten 45 Minuten Pause machen muss. Dann gings in einem Schwung zurück nach Belp. Die meisten Spieler schliefen irgendeinmal auf der Fahrt ein und wachten erst kurz vor Belp, wo wir um 21:15 eintrafen wieder auf.

Alles in allem war der Ausflug nach Prag für alle Beteiligten ein Erfolg. Wir konnten gegen einige der staksten europäischen Teams spielen, wir sind als Team weiter zusammengewachsen und wir haben eine bleibende Erfahrung gemacht. All das spricht dafür, dass die U18 in zwei Jahren wieder den Weg nach Tschechien unter die Räder nehmen wird. Und ja, der Autor empfiehlt auch anderen Teams der Skorpione sich einmal im Ausland zu versuchen, insbesondere der Damenmannschaft und der Nationalliga A. Die Organisation ist nicht so schwierig und kann von Leuten innerhalb des Teams übernommen werden.

Nach dem tschechischen Intermezzo geht es am Sonntag weiter mit der normalen Streethockeykost. Am Sonntag um 14:00 Uhr gastiert der SHC Bettlach in Belp.
Christoph Curchod, 22.02.2026

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